Krebstherapie - innovativ und individuell

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Den Vorausaussetzungen und Herausforderungen einer personalisierten Therapie bösartiger Erkrankungen widmet sich im Eröffnungsvortrag Univ.-Prof. Dr. med. Matthias Theobald, Direktor der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz.

Eine seiner zentralen Fragen lautet: Antikörper, Zelltherapie, kleine Moleküle - wie viel Fortschritt für wie viel Lebensgewinn und zu welche Kosten?

Prof. Theobald erläutert den Zuhörern die Notwendigkeit von der Kenntnis molekularer Veränderungen in den Krebszellen einzelner Patienten. Ebenfalls Inhalt seines Vortrages sind die wirtschaftlichen Herausforderungen für Forschung, Patientenversorgung und Gesellschaft im Ganzen, die aus der Entwicklung und Gestaltung maßgeschneiderter Therapeutika und Behandlungssequenzen resultieren.

Die Onkologie bewegt sich derzeit von der stadiengerechten Therapie zur individualisierten Therapie. Dies wurde durch die bessere Kenntnis der biologischen Grundlagen der Krebserkrankungen und durch bessere bildgebende Verfahren möglich. Wie stark die moderne Radiotherapie durch die Individualisierung der Technik und der biologischen Grundlagen der Behandlung gekennzeichnet ist, zeigt im zweiten Vortrag Univ.-Prof. Dr. med. Heinz Schmidberger, Direktor der Klinik und Poliklinik für Radioonkologie und Strahlentherapie, auf. Voraussetzung für eine Individualisierung der Krebstherapie sind auch klinische Studien mit großen Patientenzahlen, denn sie erlauben die Auswertung nach individuellen Risikofaktoren. Um in der Strahlentherapie von Tumorerkrankungen individuell zu dosieren, werden biologische Marker verwendet. Gleichzeitig erlauben die technischen Möglichkeiten der modernen Therapiegeräte eine Anpassung der Strahlengeometrie an die individuelle Anatomie der Patienten.

Wie ist eine verbesserte Behandlung bei ausgewählten Tumorarten zu ermöglichen? Kann man Neutronen zur Tumortherapie nutzen? Diese Fragen beantwortet Dr. rer. nat. Gabriele Hampel, akademische Direktorin am Institut für Kernchemie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Sie stellt im dritten und letzten Vortrag des Abends die Bor Neutronen Einfang Therapie (engl. boron neutron capture therapy, BNCT) vor. Dies ist eine Form von Strahlentherapie, die weltweit in der Onkologie erprobt wird. Sie eignet sich für die Behandlung einiger Tumorarten wie beispielsweise Kopf-Hals-Tumore oder Hautkrebs.

Dr. Hampel informiert die Veranstaltungsbesucher darüber, welche Anforderungen an eine solche Therapie zu stellen sind und warum das Element Bor, seine Verteilung im Gewebe und seine Anreicherung in der Tumorzelle so wichtig sind. Der therapeutische Effekt wird bei der BNCT durch die lokale Freisetzung von stark ionisierender Strahlung in Tumorzellen erzielt, welche durch den Einfang eines langsamen Neutrons durch das chemische Element Bor ausgelöst wird. Durch die sehr kurze Reichweite der freigesetzten Strahlung ist es möglich, Tumorgewebe äußerst präzise zu schädigen, ohne dass dabei das umliegende, gesunde Gewebe einer hohen Strahlungsdosis ausgesetzt wird.

Quelle: UniMedizin Mainz/YouTube, Veröffentlicht: November 2011

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